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Über 4000 Meter, – wie geht es dabei Mensch und Maschine ?

Was erwartet uns auf Höhen über 4000 Meter?

Diese Frage haben wir uns vorher des Öfteren gestellt. Wie kommen wir, aber auch unsere Bikes mit diesen für europäische Verhältnisse unvorstellbaren Höhenverhältnissen klar ?

Viele „Storys“ haben wir im Vorfeld gehört, von massiven Leistungsverlusten bei den Motorrädern, stark erhöhtem Spritverbrauch, Kopfschmerzen, Übelkeit und noch vielen weiteren Erfahrungsberichten.

Die höchsten europäischen Pässen liegen auf max. 2800m und sind in wenigen Stunden befahrbar.

2770 m Col de l’Iseran
2758 m Stilfser Joch (Passo dello Stelvio)
2744 m Col d’Agnel (Colle dell’Agnello)
2715 m Col de la Bonette
2642 m Col du Galibier
2621 m Passo di Gavia
2505 m Grossglockner Hochalpenstrasse (Hochtor)
2503 m Umbrailpass (Passo dell’Umbrail)
2480 m Colle dei Morti (Col di Morts Fauniera)
2478 m Nufenenpass (Passo della Novena)
2474 m Timmelsjoch (Passo Rombo)
2473 m Grosser Sankt Bernhard (Colle del Gran San Bernardo, Col du Grand Saint Bernard)

Überquert man die Anden zwischen Chile, Argentinien, Peru, Bolivien, so befindet man sich tagelang auf Höhen zwischen 3000m und 4850m.

Wie ist es uns ergangen ?

Bei Höhen bis 3000m, vor allem wenn wir uns nur stundenweise auf dieser Höhe befanden, gab es bei uns bisher keinerlei Nebenwirkungen. Bei längerem Aufenthalt um die 3000m bzw. auch bei einer ersten Übernachtung spürten wir etwas Kurzatmigkeit und „Unwohlsein“. Auch der Appetit lässt nach. Wir haben wenig und leicht gegessen und auch keinen bzw. wenig Alkohol getrunken. Der Luftdruck auf 2500m verringert sich um ca. 25% was in der Regel ohne viele Nebenwirkungen kompensiert werden kann. Bei 5000m beträgt der Sauerstoffgehalt nur noch ca. 50%.

Nach einer Nacht auf knapp 3000m ging es am nächsten Tag auf 4000m mit Übernachtung. Wir hatten somit nur einen knappen Tag Akklimatisierung und das war definitiv zu wenig. Trotz dem Kauen von Kokablättern bekamen wir Kopfschmerzen und spürten auch stark die viel dünnere Luft. Puls und Atemfrequenz stiegen an. Renata hatte in dieser Nacht mit starker Höhenkrankheit (Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen) zu kämpfen. Auch an ein Schlafen war nicht zu denken, da der Körper die Atemfrequenz nicht anpasste und es somit zu Sauerstoffdefiziten kam.

Die Fahrt am nächsten Tag zwischen 4000m und 4800m war, was die Höhe angeht, unproblematisch, ausser dass uns der Schnee überraschte – siehe vorheriger Blog-Beitrag. Der geringe Sauerstoffgehalt ist allgegenwärtig und körperliche Anstrengungen nur schwer möglich. Selbst das Trinken aus der Wasserflasche musste angepasst werden. Wo man in gewohnter Weise kräftige Züge am Stück macht, setzt man auf der Höhe mehrfach ab um Luft zu holen.

Nach dieser Etappe folgten mehrere Tage auf ca. 2500m bevor es dann wieder für einige Tage am Stück über 4000m ging und wir ausser Kurzatmigkeit und etwas „flachem“ Schlaf keine Probleme mehr hatten.

Tipps:

Mind. 2-3 Tage Akklimatisierungstage zwischen 2000m und 3500m bevor es auf >4000m geht. Viel Trinken, möglichste mehr als 3 Liter am Tag – das erhöht die Sauerstoffaufnahme. Kokablätter kaufen, leicht ankauen und in den Backen wirken lassen. Kokatee trinken, bekommt man an vielen Stellen. Kopfschmerztabletten mitnehmen.

Erfolgt keine Akklimatisierung und man bleibt länger als 6-12 Stunden auf der Höhe bekommt man ziemlich sicher Höhenkrankheitssymptome.

Was den Leistungsverlust von Motorrädern betrifft, so ist eine Faustformel für Motorräder mit Vergaser ca. 10% Verlust pro 1000 Höhenmeter. Bei Einspritzern ist es weniger.

Wir waren nun mehrere Wochen zwischen 3000 und 4800m unterwegs. Die Bikes haben nie ihren Dienst versagt, es gab keinerlei Zündaussetzer oder Startprobleme. Auf über 4000m war gab es nur noch wenig Durchzug bei 3000 U/min und wir mussten ca. einen Gang tiefer als gewöhnlich fahren.

Auch der Spritverbrauch auf der Höhe war nicht größer, – im Gegenteil, – durch die “gemütliche” Fahrweise zeigte der Bordcomputer Reichweiten von mehr als 600-700km an.

Fazit:

Beachtet man ein paar Regeln der Akklimatisierung, kann man sich unangenehme Nebenwirkungen weitestgehend ersparen und mit vollen Zügen die atemberaubende Natur geniessen. Die Anden sind einzigartig!

Renata & Dieter

@duo93adventure

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